Forschungsresidenz Wert_frei

Juni 2020

Jedes Menschenleben ist gleich viel wert. Und wenn es drauf ankommt? Wir leben in Krisenzeiten, in denen vermeintlich nicht genug für alle da ist. Auf einmal werden Wirklichkeiten sichtbar, die sonst auch da sind – nur besser versteckt. Wer entscheidet also darüber und warum?

Das zeigt z. B. die Diskussion, rund um das Thema „Triage“: Was wenn es hart auf hart kommt? Was wenn zum Beispiel mehr Menschen ein Beatmungsgerät benötigen, als es Geräte gibt? Dann wird aussortiert. Und wie? Anhand von Skalen, mit denen nun gemessen werden soll, wann es sich lohnt jemanden zu retten und wann nicht. Zum Beispiel die: Gebrechlichkeits-Skala, Vorerkrankungs-Skala, Alters-Skala… usw. Es werden die Menschen am Leben gehalten, deren Leben als lebenswerter bewertet wird. Die anderen müssen im Zweifelsfall sterben. Also sind doch nicht alle gleich wert?

Mit Blick auf die europäischen Außen-Grenzen (aber auch innerhalb Europas) können wir diese Werte-Skalen beliebig erweitern: die Passport-Skala, die Hautfarben-Skala, die Geschlechter-Skala etc… Welche*r Tote wird erst gar nicht gezaählt?

Bewegt und wütend durch die diese aktuellen Geschehnisse wollen wir uns nun performativ mit den Fragen beschäftigen: Was ist Wert? Wer oder was ist was wert? Und wer bestimmt darüber? Bin ich wert_frei? Was sieht Freiheit von Werten aus? Welche Rolle spielt dabei der Ableismus?

In 4 Wochen fragen wir: Wie kann unsere künstlerische Praxis aussehen? Wie können wir die Gesundheit der anderen achten und dennoch den Kontakt als Performer*innen nicht verlieren? Ein grundlegender Teil der Forschung ist also schon die Frage nach der Basis: Wie sieht unsere Flausen- Residenz ohne Körper- Kontakt aus?

Matthias Huber forscht in diesem Rahmen bei der Erstellung der Audiodeskription für die Videos im Bezug auf Wertung. Welche Aspekte müssen/können beschrieben werden, damit Menschen mit Sehbehinderungen einen Eindruck vom Bild bekommen können. Was ist Beschreibung, was Zuschreibung, was Interpretation?

Die Dokumentarfilmerin Sophie Stephan begleitete uns an 4 Tagen unsd gibt in den folgenden Videos kurze Einblicke in die Forschungsphasen.

 

Woche 1

Ablemismus: I am able – Jeder Mensch ist fähig sein Leben zu leben / Die eigene Bewegung bewerten / Welche Kämpfe führen wir? Für wen und wofür? / Performing fights





Woche 2

Das Thema Mutter/Eltern und Wertung/Wertschätzung ist präsent / „wert_frei beschreiben“ Workshop zu Audiodeskription mit Matthias Huber





Woche 3

THEMA: Luxus / Was bin ich mir Wert? Was ist für mich Luxus?

Woche 4

In dieser Woche ging es um die Fragen: Wer bin ich? Als Künstler*in? / Wer bin ich im Kollektiv? Wer sind wir als Kollektiv?



Galerie: Fotoshooting „Luxus“ mit Steven Solbirg

In Kooperation mit flausen – Forschungsresidenz, Freies Werkstatt Theater (Köln) und der Galerie KUB (Leipzig). Gefördert durch den Fonds Darstellende Künste – Initialförderung und der Kunststiftung NRW